Bessere Belastbarkeit und weniger Kortison für COPD-Patienten Dank doppelter Atemwegserweiterung als Fixkombination

Grundsätzlich gibt es bisher 3 Wirkstoffgruppen für die inhalative Therapie von COPD Patienten:

  • Beta-Mimetika (z.B. Präparate wie Foradil, Formotop, Forair, Onbrez, Striverdi)
  • Anticholinergika (z.B. Präparate wie Spiriva, Seebri, Bretaris)
  • Inhalatives Kortison (z.B. Pulmicort, Budes-Easyhaler, Junik, Beclomethason uvm.)

Je nach Schweregrad der Erkrankung entscheidet der Lungenfacharzt, welche der 3 Substanzgruppen einzeln oder in Kombination als Dauertherapie der COPD zum Einsatz kommen. Im Falle einer COPD Stadium III/D oder IV/D ist oft eine „Triple-Therapie“ unumgänglich gewesen, meist wurden dabei Beta-Mimetika und Kortison als Fixkombination verwendet (z.B. Symbicort, Atmadisc, Viani), ergänzt z.B. um Spiriva oder Seebri.

Die Fixkombinationen mit Kortison erfreuten sich dabei in den letzten Jahrzehnten trotz hohen Preises großer Beliebtheit bei Patienten und Ärzten, und Studien zeigten, dass auch Patienten mit leichten COPD-Stadien zu häufig inhalatives Kortison als Dauertherapie verordnet bekamen. Dies geht manchmal auch auf den unkritischen Einsatz dieser Präparate durch die Hausärzte in Unkenntnis der wahren Lungenfunktionsleistung des Patienten zurück.

Neu auf dem Markt sind seit 2015 Fixkombinationen von Beta-Mimetika und Anticholinergika, also kortisonfreie Kombisprays. Nach neuesten Studien bewirken diese Fixkombinationen (z.B. Ultibro, Anoro, Brimica, Duaklir ) eine leichte Verbesserung der Lungenfunktion, eine spürbare Abnahme der Belastungsluftnot und Bedarf an Akutmedikation. Das Präparat Ultibro ist dabei in Vergleichsuntersuchungen bisher am besten untersucht und konnte in einer Studie als einziges der neuen Kombipräparate seine Überlegenheit gegenüber der freien Kombination eines ß-Mimetikums mit einem Anticholinergikum belegen.

Nach der aktuellen Ansicht führender Pneumologen (Workshop am Rande der Jahrestagung der American Thoracic Society in Denver, Colorado, USA) sollte die Neueinstellung auf Kombisprays mit Kortison nur den Patienten mit schwerer COPD und der Neigung zu akuten Verschlechterungen, meist im Rahmen bronchitischer Infekte (= Exacerbation) vorbehalten bleiben. Bereits bestehende Dauertherapien mit inhalativem Kortison sollten kritisch hinterfragt und das Kortison versuchsweise ausgeschlichen werden, wenn der Patient länger stabil war. Berücksichtigt werden muß dabei gerade, daß inhalatives Kortison nach einigen Studien das Auftreten von Lungenentzündungen sogar begünstigen könnte.

Allerdings müssen hierbei nach meiner Meinung risikoarme Absetzstrategien eingesetzt werden, und die Entscheidung hierzu von den Fachärzten kommen, die den langjährigen Verlauf des Patienten überblicken. Voreiliges komplettes Absetzen der inhalativen Kortisone kann auch eine schwere akute Verschlechterung der COPD auslösen, wenngleich dies, wie in Studien gezeigt werden konnte, seltener geschieht als möglicherweise befürchtet. (WISDOM Studie). Langzeitverläufe hierzu wurden bisher noch nicht untersucht.

In jedem Falle muß der Patient beim Absetzen von Kortison und Wechsel auf kortisonfreie Präparate wie Ultibro auf diese Risiken hingewiesen werden und die Möglichkeit erhalten, im Akutfall seinen Haus- oder Lungenarzt kurzfristig kontaktieren zu können.

Als erfreuliches Fazit bleibt festzuhalten, daß die neue duale Bronchienerweiterung mittels Fixkombination hinsichtlich Symptomkontrolle, Lungenfunktion und Lebensqualität der einfachen Atemwegserweiterung überlegen ist. Der Einsatz von inhalativem Kortison sollte schweren Verlaufsformen der COPD vorbehalten bleiben.

Wie nun beim Auftreten von Exacerbationen unter der neuen kortisonfreien Therapie diese aufgestockt werden soll, z.B. durch nur vorübergehenden Einsatz von zusätzlichen inhalativem Kortison, dazu liegen noch keine wissenschaftlichen Ergebnisse vor. Die Lungenfachärzte werden in den nächsten Jahren gespannt auf diese Studienergebnisse warten. Auch der direkte Vergleich der verschiedenen inzwischen auf dem Markt befindlichen Präparate der „dualen Bronchodilatation“ steht noch aus.

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