Ich werde immer häufiger von meinen noch rauchenden COPD-Patienten gefragt, was ich von der Raucherentwöhnung mit Hilfe der E-Zigarette halte. Dies war für mich ein Grund, aktuelle Antworten auf diese Frage in neueren wissenschaftlichen Veröffentlichungen zu suchen. Diese Antworten fallen je nach Institution und Land sehr unterschiedlich aus.

Inhalt:

  1. Meinung der deutschen Fachgesellschaften
  2. Andere Länder, andere Sitten…
  3. Mein persönliches Fazit
  1. Die Meinung der deutschen Fachgesellschaften

Die Stellungnahmen der offiziellen Deutschen Fachgesellschaften der Lungenärzte warnen in ihren Positionspapieren weiterhin vor den Gefahren der E-Zigaretten!

Welche Gefahren werden gesehen?  

Noch zum diesjährigen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie (DGP) in Dresden im März 2018 wurde vor der Gefahr Einstiegsdroge für Jugendliche durch süßen Geschmack und schickes Aussehen der Geräte gewarnt. Zwar enthielten E-Zigaretten keine krebserregenden Verbrennungsprodukte, aber auch das beim Dampfen entstehende Aerosol enthalte entzündungsfördernde Stoffe, die nach US Studien bei jugendlichen regelmäßigen  „Dampfern“ doppelt so häufig Bronchitiden auslöse.

Eine aktuelle Studie an Zehntklässlern habe gezeigt, dass 22 Prozent der Jugendlichen, die bereits mit E-Zigaretten Erfahrungen gemacht hatten, in der Folge auch Tabakzigaretten rauchten- bei ihren nie-dampfenden Altersgenossen waren es nur 10 Prozent. „Das breite Angebot an Geschmacks- und Aromastoffen für E-Zigaretten macht das Rauchen bei jungen Menschen wieder beliebter“ sagte Prof. Dr. med. Berthold Jany, ehemaliger Präsident der DGP. Das sei besonders alarmierend, nachdem die Raucherquote unter den 12- bis 17-Jährigen mithilfe intensiver Aufklärungsarbeit auf einen historischen Tiefstand von 7,4 Prozent zurückgegangen sei.

Tabakkonzerne stiegen in das E-Zigarettengeschäft ein und würden die E-Zigaretten fast als Life-Style Produkt bewerben. Durch die vermeintliche Gefahrlosigkeit solle das Image des Rauchens wieder verbessert und mehr junge Menschen zum täglichen Konsum vom letztendlich süchtig machenden Nikotin verleitet werden.

In einer Pressemitteilung der DGP vom März 2018 wird ein Werbeverbot für E-Zigaretten gleich den herkömmlichen Glimmstängeln gefordert. Seit April 2016 gilt immerhin das Abgabe- und Konsumverbot von Tabakwaren an Jugendliche auch für E-Zigaretten und E-Shishas. Und einheitliche EU-Richtlinien legen eine Kennzeichnungspflicht über die Inhaltsstoffe der Liquids und eine Begrenzung der Konzentration auf 20mg Nikotin pro ml Liquid fest.

…und welche möglichen Gefahrstoffe inhaliert man beim „Dampfen“ außer Nikotin noch mit?

Die verdampften Lösungen („liquids“) enthalten meist Nikotin in unterschiedlicher Konzentration, welches die Sucht aufrechterhalte. Nikotin selbst könne auch schon krebserregend sein, in welchen Dosen ist allerdings unklar. Die Langzeitschäden durch weitere Bestandteile der Liquids, die auch mit verdampft werden, wie die Verneblungsmittel Propylenglykol und Glycerin sowie Aromastoffe, seien noch nicht erforscht. Bekannt sei, dass sie zu Reizung im Mund- und Halsbereich, zu trockenem Husten und gereizten Augen führen. Aus Propylenglykol und Gylcerin können beim Erhitzen möglicherweise auch giftige Verbindungen wie Acetaldehyd und  Formaldehyd hervorgehen.

Die Konzentration dieser Substanzen  ist laut Deutschem Krebsforschungszentrum unter anderem abhängig von der batteriestärke, dem Nutzungsverhalten und dem Gerätetyp. Modernere Produkte produzieren offenbar weniger giftige Aldehyde als ältere Geräte.

In manchen Liquids konnten zudem sogenannte tabakspezifische Nitrosamine (TSNA) festgestellt werden, welche potentiell kanzerogen sind. Ob die gemessenen Mengen für  einen solchen krebserregenden Effekt ausreichen ist aber unklar. Auch die beigesetzten Aromastoffe sind unterschiedlich zu beurteilen bezüglich ihrer Gefährlichkeit: Manche enthalten Diacetyl, Pentandion oder Triacetin, welche die Lunge schädigen können, manche sollen Allergien auslösen können.

Hinzu kommt, dass sich beim Inhalieren des Dampfs winzige Partikel (sog. Nanopartikel) in den Atemwegen ablagerten. Sie könnten nach Expertenmeinung auch in den Blutkreislauf gelangen.

Eine weitere Gefahrenquelle ergibt sich aus den teilweise sehr hohen Nikotinkonzentrationen in den Kartuschen, wodurch eine akute Nikotinvergiftung ausgelöst werden könne.

Weltweit steiler Anstieg des Umsatzes mit E-Zigaretten

Vor dem Hintergrund der Warnungen der weltweiten Fachgremien der Lungen- und Kresbärzte kann man aber nicht die Augen davor verschließen, dass die Nutzung von E-Zigaretten weltweit stark angestiegen ist. Schätzungsweise 1 Million Deutsche dampfte 2016 bereits regelmäßig E-Zigarette; derzeit sind es in Deutschland drei Millionen Menschen.

Können E-Glimmstängel den Ausstieg vom Zigarettenrauchen begünstigen?

Das ist die Frage, die aktuelle Zigarettenkonsumenten am meisten interessiert…

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) hat in einer repräsentativen Umfrage an 2000 Bundesbürger herausgefunden, dass der Bekanntheitsgrad der E-Zigarette stetig zugenommen hat ( Wen wunderts? )  und dass etwa jeder fünfte Raucher bereits mindestens einmal zur E-Zigarette gegriffen hatte, durchschnittlich nur 0,4% gaben aber an, regelmäßig tabakfrei zu dampfen.

Die Aussage , dass E-Zigaretten kein anerkanntes Hilfsmittel zum Rauchstopp seien, gründet sich hauptsächlich auf die Auswertung von zwei Studien an 662 Teilnehmern Ende 2014: Verglichen mit Placebo verdoppelten elektrische Vernebler tatsächlich die Chance, nach einem halben Jahr vom Nikotinkonsum loszukommen, allerdings nur bei neun Prozent gegenüber vier Prozent beim Placebo. Das ist natürlich nicht überzeugend. Allerdings ergaben sich Anhaltspunkte, dass E-Zigaretten immerhin besser wirkten als Nikotinkaugummis oder –pflaster.

Besonders vor den relativ neuen Heat Sticks wird gewarnt. Hier wird in äußerlich den Zigaretten ähnlichen Geräten Tabak auf 300 Grad erwärmt aber nicht verbrannt. Die Gefährlichkeit der eingeatmeten Stoffe dürfte zwischen der E- und herkömmlichen Zigarette liegen. Außerdem wird das Ritual des bisherigen Rauchens durch die ähnliche Gestalt der Geräte aufrechterhalten.

Auch die Light-Zigaretten halten nicht was sie versprechen: Sie enthalten zwar weniger Teer und Nikotin, der Rauch kann aber leichter und damit tiefer eingeatmet werden, das hebt die vermeintlichen Vorteile wieder auf.

Insgesamt haben sich in der Vergangenheit Nikotinersatzpräparate (z.B. Kaugummis, Pflaster, Tabletten) als durchaus günstig in der Raucherentwöhnung erwiesen,  mit Raten an erfolgreichen Rauch-Stopps um 20-30%. Am besten sind hierbei die Erfolgsaussichten, wenn die Einnahme dieser Präparate in Verbindung mit Raucherentwöhnungskursen mit verhaltenstherapeutischen Maßnahmen durch zertifizierte Ärzte durchgeführt wird.

Dies wird allerdings längst nicht flächendeckend angeboten und ist auch mit Kosten für den Entwöhnungswilligen verbunden, die die Krankenkassen noch nicht generell übernehmen. Hier sind zwar gemeinsame Programme in Arbeit, die Umsetzung verläuft aber stockend.

Dabei spielte in einigen Studien der Nikotinersatz beim Ausstieg nicht die entscheidende Rolle: Probanden gaben auch nach dem Genuss von nikotinfreien E-Zigaretten an,  ein geringeres Verlangen nach Tabakkonsum und weniger Entzugserscheinungen zu verspüren. Die gewohnheitsmäßigen Stimuli wie das Führen der Hand zum Mund oder das Gefühl von Qualm in der Mundhöhle kann die Raucherentwöhnung stimulieren.

Allerdings werden in Deutschland E-Zigaretten immer noch nicht als Nikotinersatzpräparate anerkannt, wie es zum Beispiel der Züricher Pneumologie-Professor Erich Russi befürwortet. „Das ist wie bei Heroin-Junkies. Diese auf Methadon zu setzen oder ihnen sauberes Fixbesteck anzubieten habe das Suchtproblem nicht gelöst, die Gefahren seien aber verringert worden.“ Allerdings fordert auch er eine Regulierung der Tabakersatzprodukte und ein entsprechendes Jugendschutzgesetz.

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