E-Zigarette

Jährlich sterben 5 Millionen Menschen weltweit am aktiven Rauchen und mehr als 600.000 Nichtraucher an den Folgen des Passivrauchens. Das Rauchen ist eine der Haupt-Todesursachen, die vermieden werden könnten. Die Entwöhnung vom Tabakrauchen ist aber nach wie vor schwierig. 2006 kam die sog. „elektronische Zigarette“ auf den Markt, die ein inhalierbares, nikotinhaltiges Aerosol erzeugt und damit die schädliche Wirkung von Verbrennungsprodukten wie Teer vermeidet.

Zu einem neueren Artikel über E-Zigaretten geht es hier

Dennoch sind die E-Zigaretten unter Gesundheitsexperten, Wissenschaftlern und politisch Verantwortlichen umstritten.

Im Folgenden werden die Vor- und Nachteile der E-Zigarette einander gegenübergestellt und Studien genannt, die untersuchten, ob die E-zigarette hilft, den Zigarettenkonsum zu reduzieren.

 

Als Vorteile der E-Zigarette können genannt werden:

  • Geringerer Gesundheitsschaden durch Vermeiden der Inhalation von Verbrennungsrückständen
  • Möglichkeit der Reduktion oder Beenden des Tabakrauchens
  • Möglichkeit des völligen Beenden des Nikotinkonsums durch kontinuierliche Reduktion der Nikotindosis in der E-Zigarette
  • Demonstration von eigenem „Gesundheitsbewußtsein“ „Ich rauche keinen Tabak mehr!“
  • Verminderung von gesundheitlichen Problemen wie Husten und Auswurf
  • Verringerung des Auftretens oder Linderung von COPD und Lungenemphysem
  • Verringerung des Lungenkrebsrisikos in der Bevölkerung
  • Genuß durch Geschmacksstoffe der E-Zigarette
  • Subjektive Erhaltung des „Nikotineffektes“
  • Verminderte Rauchbelastung der Mitmenschen, z.B. (eigene) Kinder
  • Zutritt zu „Rauchfreien Zonen“
  • Geringere Kosten gegenüber Tabakprodukten

 

Als Nachteile/ Risiken fallen auf:

  • Angst vor unbekannten gesundheitlichen Langzeitrisiken der E-Zigarette
  • Erzeugen einer Nikotinabhängigkeit von bisherigen Nichtrauchern
  • „Einsteigerdroge“ z.B. bei Jugendlichen, die zum Tabakrauchen führen kann
  • „Normalisieren“ des Rauchens in der allgemeinen Wahrnehmung
  • Unterminieren eines tatsächlichen „Rauchstopps“ durch Beibehalten des Sucht-Fehlverhaltens mit nur vermeintlicher Stressbewältigung
  • Schädigung durch den Zusatz von Aromastoffen zu den Liquids, V.a. durch Carbonylverbindungen wie Diacetyl

 

Versuche der politischen Regulation

Die Europäische Kommission hat vorgeschlagen, E-Zigaretten als „Medikamente“ zu deklarieren und damit einer besseren Kontrolle zu unterwerfen. Die Debatten favorisierten mehrheitlich jedoch die möglichen gesundheitlichen Nutzen der E-Zigarette, so dass man sich auf besondere Vorsichtsmaßnahmen nicht einigen konnte und die E-Zigarette weiterhin als „Konsumprodukt“ betrachtet und damit weniger streng geregelt ist.

Die endgültige Tabakprodukte Richtlinie der EU von Mai 2014, die 2016 von den EU Ländern noch übernommen werden muß, sieht eine obere Nikotinkonzentration von 20mg/ml in den Nikotinflüssigkeiten vor. Zigaretten mit höheren Konzentrationen sollen einer pharmakologischen Kontrolle unterliegen. E-Zigaretten sollen kindersicher sein, v.a. geschützt vor Leckage. Es sollen nur Nikotinlösungen hoher Reinheit verwendet werden dürfen und die Abgabe des Nikotins soll bei normaler Anwendung gleichmäßig erfolgen. Angaben über Inhaltsstoffe sollen ebenso verpflichtend werden wie Warnungen vor Gesundheitsschäden und Abhängigkeit auf dem Gerät. Die Hersteller sollen verpflichtet werden, Inhaltsstoffe und Emissionen der E-Zigaretten und deren Produktionsweg anzugeben, und die volle Verantwortung für die Reinheit der verkauften Inhalierlösungen übernehmen.

Ob die EU-Länder diese Vorschläge in den jeweiligen Ländern übernehmen ist noch ungewiss.

 

Gibt es wissenschaftliche Untersuchungen zu möglichen negativen Auswirkungen der E-Zigarette? Ja, aber überwiegend im Tiermodell

In einem Mausmodell, in dem die Tiere über 4 Monate an 5 Tagen die Woche über jeweils 1 Stunde gegenüber dem Aerosol aus E-Zigaretten exponiert wurden, konnten gegenüber dem reinen Lösungsmittel vermehrtes Asthma, Lungenemphysem, Überempfindlichkeit der Atemwege und vermehrte Schleimproduktion sowie Bildung von Zytokinen und Proteasen (= chemische, teilweise aggressive Reaktionsstoffe in Zellen) nachgewiesen werden.

Es ist nicht wahr, dass der Nutzer von E-Zigaretten außer Nikotin nichts weiter aufnimmt. Als Inhaltsstoffe der E-Zigaretten wurden neben Nikotin Propylenglykol, Glycerol, Glycerin , sowie Duftstoffe und Nanopartikel in unterschiedlichen Konzentrationen definiert.

 

Sind besonders aromatisierte E-Zigaretten gefährlich??

In letzter Zeit kamen besonders die beigefügten Aromastoffe zu den Liquids in Verruf. Vor allem der Stoff Diacetyl, der auch in Popcorn enthalten ist, wird beim Erwärmen eingeatmet und ist dabei schädlich. In Einzelfällen wurden schwere Lungenerkrankungen wie Bronchiolitis obliterans beim Konsum  stark aromatisierter E-Zigaretten beobachtet. Schon vor etlichen Jahren war bekannt geworden, dass Arbeiter in der Popcorn Herstellung, die ständig gegenüber synthetischen Aromastoffen exponiert waren, eine schwere Lungenerkrankung entwickeln können, die sogenannte „Popcorn Workers Lung“. Der Arbeitsschutz wurde daraufhin zwar verbessert, verboten wurde Diacetyl bisher allerdings weder in den USA noch in Europa.

Beitrag von DocCheck zur E-Zigarette

Übereinstimmung aller Experten besteht darin, daß noch mehrjährige Forschungsanstrengungen nötig sind, um die Langzeiteffekte der E-Zigarette für den Menschen zu klären. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist die E-Zigarette allerdings weniger schädlich als Tabakrauchen. Wenn sie richtig eingesetzt wird, könnte sie tatsächlich zum niedrigeren Tabak- und Nikotinkonsum allgemein führen.

 

Hilft die E-Zigarette den Zigarettenkonsum zu reduzieren?

Die Auswertung von 13 Studien über eine Beobachtungszeit von mindestens 6 Monaten mit insgesamt 661 Teilnehmern, in denen E-Zigaretten der ersten Generation mit relativ geringen Nikotindosen und Placebo-E-Zigaretten, die kein Nikotin enthielten, verglichen wurden, ergab folgendes Ergebnis:

Raucher von E-Zigaretten schafften es häufiger (9 %), Tabak-abstinent zu werden als Benutzer der E-Zigaretten ohne Nikotin (4 %). 36 % der E-Zigaretten-Raucher schafften es tatsächlich, ihren Zigarettenkonsum zu reduzieren; mit den Placebo-E-Zigaretten waren es nur 27 %.

Eine Studie, die E-Zigaretten mit Nikotinpflastern verglich, fand keine statistisch signifikanten Unterschiede bei der Tabakabstinenz nach 6 Monaten. Allerdings konnten deutlich mehr Studienteilnehmer im E-Zigarettenarm die Anzahl der Zigaretten pro Tag vermindern (61 % gegenüber 44 % der Teilnehmer mir Pflasterbenutzung). Keine der Studien berichtete von ernsthaften Nebenwirkungen der E-Zigaretten . Wegen der geringen Anzahl der ernsthaften Studien stufen die Autoren die Verlässlichkeit der Aussagen allerdings als gering ein.

(in Pneumologie 2015;69,Seite 513; nach Cochrane Database Syst. Rev 2014;12; CD010216)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Telefonischer Kontakt:        0345-6867290