ERS-Kongress

Interessante Neuigkeiten vom Kongress der Europäischen Gesellschaft für Lungenkrankheiten (ERS) in London 3.-7. September

Aktueller Wissensstand zu Nutzen und Schaden der E-Zigarette

Frau Professor Charlotta Pisinger aus Dänemark präsentierte die Ergebnisse von 149 Vergleichstudien zur E-Zigarette.
An methodischen Problemen stellte sie fest, dass es sehr viele unterschiedliche „E-Zigaretten“ und Liquids (die Flüssigkeit die verdampft wird) gibt, die schwer vergleichbar sind. Die freiwilligen Probanden haben die E-Zigarette meist nur kurz benutzt, in Tierversuchen waren die Konzentrationen möglicherweise zu hoch. Viele der Studien liefern außerdem widersprüchliche Ergebnisse. Ergebnisse aus Langzeituntersuchungen gibt es immer noch nicht.
26% der Studien waren von der Tabakindustrie veranlasst und sind deshalb mit großer Vorsicht zu bewerten. In diesen Studien wurden nie gesundheitliche Schäden durch die E-Zigaretten gefunden.
Aber: in Versuchen an Zelllinien mit den verdampften Liquids zeigten u.a. vermehrten oxidativen Stress, vermehrten Zelltod und eine verstärkte Empfänglichkeit für Virusinfekte.
Im Tierversuch mit Ratten und Mäusen verursachte die Exposition mit den Dämpfen der E-Zigarette asthmatische Reaktionen und Entzündung der Atemwege und eine verminderte Abwehr gegen bakterielle Infekte. Neugeborene Mäuse nahmen langsamer an Gewicht zu und die Lungen entwickelten sich schlechter.
Versuche mit freiwilligen Testpersonen zeigten oft einen erhöhten Atemwegswiderstand aber keine negativen Effekte auf das Herz. Im Urin von Testpersonen fand sich gelegentlich der möglicherweise krebserregende Stoff Acrolein. Andere Giftstoffe wie Metabolite der krebserregenden Nitrosamine wurden auch im Urin einiger E-Zigaretten Benutzer gefunden. Diese Giftstoffe im Urin waren zwar niedriger als bei Rauchern, aber höher als bei Passivrauchern.
In Einzelfallbeschreibungen führten E-Zigaretten zu einer akuten eosinophilen (= bestimmte Art von weissen Blutkörperchen )  Lungenentzündung, zu einem Schub entzündlicher Darmerkrankungen und zu Hautkrankheiten.
Andere Studien ergaben wiederum keine ernsthaften Nebenwirkungen der E-Zigaretten.
Und das ist an Schadstoffen im Dampf der E-Zigarette enthalten:

  • Feine und ultrafeine Partikel
  • Krebserregende tabakspezifische Nitrosamine
  • Krebserregende Carbonyle
  • Schädliche Metallkomponenten
    Flüchtige organische Komponenten
  • Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe

Alle Substanzen wurden in den verschiedenen Studien aber in sehr unterschiedlichen Mengen gefunden.
Besonders beliebt sind bei den E-Rauchern aromatisierte Liquids.. Sie enthalten zum Teil hohe Anteile von Chemikalien, die bei chronischer Aufnahme über den Magen/Darmtrakt als potentiell toxisch angesehen werden müssen.
Schlußfolgerung:
Insgesamt ist derzeit keine abschließende Beurteilung möglich, da Langzeitergebnisse fehlen und die Ergebnisse der Studien widersprüchlich sind. Die meisten nicht von der Tabakindustrie gesponserten Studien berichten jedoch über schädliche Nebenwirkungen. Deshalb können E-Zigaretten nicht als sicher betrachtet werden, sind aber wahrscheinlich weniger schädlich als Zigarettenkonsum.
Gefährdung durch dualen Gebrauch von konventionellen und E-Zigaretten
Sehr bedenklich ist allerdings, dass nach den Ergebnissen von sechs Studien zwischen 70 und 80% der E-Zigaretten Benutzer zusätzlich auch noch rauchen. Diese Personen sind möglicherweise durch den synergistischen schädlichen Effekt vermehrt gefährdet, Gesundheitsschäden zu entwickeln, ähnlich dem Effekt von Asbesteinwirkung und Rauchen gleichzeitig, was bekanntermaßen zu vermehrtem Auftreten von Lungenkrebs führte.
Die Benutzung der E-Zigarette unterminiert häufig den ernsthaften Plan, ganz mit dem Rauchen aufzuhören.
Die E-Zigarette könnte das Rauchen an sich wieder sozial akzeptiert machen.
Nach einer Untersuchung hat in Polen von 2011 bis 2014 die Zahl der dualen Nutzer von 4% auf 22% zugenommen und die Zahl derer, die jemals eine E-Zigarette probiert hat, von 15 auf 62%.

Charlotta Pisinger

Charlotta Pisinger während ihres Vortrages zu den E-Zigaretten

 

E-Zigaretten: Vor- und Nachteile:

Schema E-Zigarette

Nutzen und Schaden von E-Zigaretten.


 

 

Einfluß von endobronchialen Coils im Vergleich zu normaler Standardtherapie bei Patienten mit schwerem Lungenemphysem

Professor Frank Sciurba von der Universität von Pittsburgh hielt einen Vortrag zu diesem Thema.
Neben dem Einsetzen von Ventilen aus Kunststoff in das Bronchialsystem, um Lungenanteile, die aufgrund von starker Überblähung (= Emphysem) ineffektiv für die Lungenarbeit geworden sind (siehe mein Interview mit Dr. Blankenburg zum ERS Kongress in Amsterdam 2015 ) funktionell auszuschalten, gibt es auch andere Methoden um diesen Effekt zu erreichen.
Hier ist der Einsatz von sich selbst entfaltenden Metallspiralen („ Coils“) das am weitesten verbreitete Verfahren.
Der Einsatz von unidirektionalen (= in eine Richtung für den Luftfluss offen) Lungenventilen, die einzelne kranke Lungenanteile zum Kollaps (Zusammenfallen ohne Funktion) bringen sollen, ist auf die Patienten beschränkt, die zwischen den verschiedenen Lungenlappen keine Luftbrücken aufweisen. Diese Luftbrücken würden verhindern, dass die behandelten Lungenabschnitte wie gewünscht zusammenfallen und dadurch die Lungenarbeit nicht mehr behindern. Auch kommen hierfür eher Patienten in Frage, die ein ungleichmäßig verteiltes Lungenemphysem aufweisen. Die am meisten befallenen Lungenabschnitte werden dann mit diesen Ventilen versorgt, die über eine Bronchoskopie meist in Vollnarkose eingesetzt werden.
Für Patienten mit einem über die gesamte Lunge gleichmäßig verteilten Lungenemphysem und Luftbrücken zwischen den einzelnen Lungenlappen kommt der Einsatz von Lungenspiralen (= Coils) in Betracht.
Diese Drähte aus Nitinol werden über ein Endoskop (= schlauchartiges Gerät das in Narkose in die Atemwege eingeführt wird) in die Atemwege eingeführt und entfaltet. Sobald sie aus dem Arbeitskanal des Gerätes in den Bronchus hinausgeschoben werden, rollen sie sich zu ihrer ursprünglich vorgesehenen Spiralform auf und wickeln das benachbarte Lungengewebe um sich auf. 10 bis 14 dieser Coils müssen über einen Zeitraum von 2-4 Monaten eingesetzt werden (Bild)
Das überblähte Lungengewebe wird durch dieses „Einwickeln“ zusammengedrückt und praktisch wie durch eine Operation entfernt. Um einen Effekt zu erzielen, müssen viele dieser „Coils“ in der Lunge abgesetzt werden. Das übrige gesündere Lungengewebe erhält dadurch eine bessere Elastitizät und mehr Platz zurück, wodurch sich die Lungenfunktion verbessert und der Patient weniger Luftnot hat.

Röntgenbild nach dem Einsetzen der Drahtspiralen.

Röntgenbild nach dem Einsetzen der Drahtspiralen.

 

In einer Studie wurde nun die Effektivität und Sicherheit dieser Methode an 158 Patienten untersucht.
Ergebnisse:
Die Behandlung mit den Spiralen bewirkte bei den Patienten mit schwerem Lungenemphysem eine mäßige Verbesserung des 6-Minuten Gehtests (plus 14,6 Meter), eine leichte Zunahme des Ausatemflusses, eine verminderte Lungenüberblähung und eine signifikante Verbesserung der Lebensqualität, gemessen mit standardisierten Fragebögen. Diese Verbesserungen wurden erkauft mit einer höheren Rate an Komplikationen wie Infektionen der unteren Atemwege bis hin zu Lungenentzündung, gelegentlichem Bluthusten, Zusammenfallen der behandelten Lunge („Pneumothorax“) sowie vorübergehender Verschlechterung der COPD Symptome. 2 Patienten verstarben akut während des Eingriffs an einer Lungenblutung bzw. akutem Atemversagen 6 Tage nach der 2. Coilimplantation.

Diskussion:
Die geringe Zunahme im 6-Minuten Gehtest mag durch viele Begleiterkrankungen der schwerkranken Patienten bewirkt sein. Neu an diesen Studienergebnissen war, dass Patienten mit einer „Lungenentzündungs-ähnlichen“ Veränderung im Röntgenbild offenbar gar keine infektiöse Komplikation (= Lungenentzündung durch Erreger) hatten, sondern diese Trübung im Röntgenbild eine unmittelbare Reaktion des Lungengewebes auf die Spiralen darstellte und diese Patienten mit dieser Reaktion sogar am Ende größere Verbesserungen zeigten. Am meisten profitierten Patienten mit ungleichmäßigem Lungenemphysem und einer Lungenüberblähung von mehr als 225 %.
Weitere Studien sind notwendig um die am besten geeigneten Patienten für die Implantation der Coils auszuwählen. Für Patienten mit fortgeschrittenem gleichmäßig verteiltem Lungenemphysem mit Luftbrücken zwischen den Lungenlappen gibt es außer der Lungentransplantation kaum Therapiealternativen. Insofern ist die Weiterentwicklung alternativer Therapiemethoden durchaus sinnvoll.

 

Telefonischer Kontakt:        0345-6867290