Messung der Atemmuskelkraft

Mundverschlußdruckmessung

Eine fortgeschrittene Atemmuskelschwäche zeigt sich in der Lungenfunktionsprüfung (Spirometrie) anhand einer Verminderung der Vitalkapazität. Bei beginnender Schwäche der Atempumpe kann die Vitalkapazität jedoch noch normal sein und empfindlichere Messungen sind erforderlich.

Mit der Mundverschlußdruckmessung lassen sich Einschränkungen der maximalen Kraft bei der Einatmung (Kapazität), sowie eine erhöhte Beanspruchung  (Last) der Einatmungsmuskulatur erkennen. Ursächlich sind sowohl akute als auch chronische Erkrankungen mit verminderter maximaler Einatemkraft bzw. Überbeanspruchung dieser Mukulatur durch eine erhöhte Last (siehe Tabelle unten).

Lungenfunktion

Patient während der Messung der Atemmuskelkraft

Lungenfunktion

Gerät zur Untersuchung der Lungenfunktion

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mittels der bei uns durchgeführten Mundverschlussdruckmessungen können mehrere Parameter erfaßt werden. Die drei  wichtigsten sind:

  • Mundverschlußdruck nach 0,1 sek (P0.1)

Der Mundverschlußdruck, der 0,1 s nach Beginn einer Einatmung bei Ruheatmung gemessen wird, stellt ein indirektes Maß zur Abschätzung des zentralen Atemantriebs dar. Er kann nicht willentlich beeinflußt werden.

Durchführung: Ruheatmung mit intermittierendem nicht angekündigtem Verschluß, Median aus mindestens 5 kongruenten Messungen. Normalwert: < 0,3 kPa.

  • Maximaler Mundverschlußdruck bei der Einatmung (PImax)

Im Rahmen einer willkürlichen, maximalen Einatmung bei verschlossenen Atemwegen kann der maximale statische Einatemdruck (PImax) gemessen werden. Er repräsentiert eine wichtige Kenngröße für die mitarbeitsabhängige, globale inspiratorische Atemmuskelkraft.

Durchführung: Maximale Einatemanstrengung des Patienten gegen das verschlossene Atemrohr unter starker Motivation des Untersuchers vom Residualvolumen aus (nach Ausatmung). Höchster Wert aus mindesten 7 Messungen.

Normalwert: Frauen > 7,0 kPa, Männer > 8 kPa.

  • Respiratorische Kapazität (P0.1/PImax)

Die respiratorische Kapazität berechnet sich als Quotient aus P 0.1 und PImax. Sie erlaubt eine Abschätzung der momentanen Beanspruchung der Atemmuskulatur bei der Einatmung.

Normalwert: Frauen und Männer < 20 %

Überschreitet der Wert eine kritische Grenze von 20-25% so muss mit einem atemmuskulären Versagen mit Abfall der Sauerstoff- und Anstieg der CO2 Werte im Blut gerechnet werden.

Tabelle: Ätiologie der Atemmuskelerschöpfung

Erhöhung der Last                                                     Verminderung der Kapazität

(Muskelschwäche)

 

Asthma bronchiale, COPD,                                       Muskeldystrophien, Myopa-

Lungengerüsterkrankungen (Fibrose)                      thien, Schilddrüsenunterfunk-

Übergewichtigkeit, Lungenstauung                          tion, multiple Sklerose,

bei Herzschwäche, Emphysem, Wirbel-                   neuromuskuläre Erkrankun-

säulenverkrümmungen                                             gen wie Myasthenie,

amyotrophe Lateralsklerose

Grafik zur Atemmuskelkraft

Beispielmessung mit normalem Atemantrieb, leicht verminderter maximaler Atemmuskelkraft bei der Einatmung und leicht erhöhter Beanspruchung der Atemmuskulatur