Kardiorespiratorische Polysomnographie

Die Diagnostik der Beeinträchtigung der nächtlichen Schlafqualität erfolgt durch eine kardiorespiratorische Polysomnographie im Schlaflabor. Das für unsere Patienten genutzte Schlaflabor liegt im Martha-Maria Krankenhaus in Halle-Dölau. Durch einen Kooperationsvertrag mit diesem Krankenhaus können dort unsere Patienten, bei denen der Verdacht auf ein obstruktives Schlafapnoesyndrom besteht, über mehrere Nächte untersucht werden. Ein Schlaflabor  besteht aus speziell ausgestatteten Patienten-Einzelzimmern und einem zusätzlichen Raum, in dem sich die Monitoring– und Aufzeichnungsgeräte befinden.

Was passiert im Schlaflabor?

Zu Ihrem Termin im Schlaflabor werden Sie gebeten, sich abends gegen 21:00 Uhr einzufinden. Unser speziell geschultes Nachtwachen-Personal (Medizinstudenten)empfängt Sie und bringt Sie in Ihr Einzel-Zimmer – sie wollen ja nicht durch einen Zimmerpartner in Ihrem Schlaf gestört werden! Diese Mitarbeiter schließen Sie an die Elektroden und weitere Überwachungsgeräte an. Dies dauert für jeden einzelnen Patienten zwischen 30 und 45 Minuten, sodass ein wenig Wartezeit für Sie entstehen kann. Wichtig für Sie ist, dass Sie mit den angelegten Messgeräten nicht ans Bett gefesselt sind, sondern sich ohne weiteres damit auf die Toilette begeben können.

Testnacht mit CPAP Therapiegeraet

Wird ein obstruktiven Schlafapnoesyndrom festgestellt, folgt eine Testnacht mit einem CPAP Therapiegerät.

Was wird gemessen?

Einer der wichtigsten Parameter, der während der Nächte im Schlaflabor aufgezeichnet wird, sind die Hirnströme, das sogenannte EEG. Dies geschieht über an der Kopfhaut aufgeklebte Messelektroden. Das EEG gibt Auskunft über die verschiedenen Schlafstadien, die der Proband in der Messnacht erreicht.

Darüber hinaus messen wir den Atemfluss, Körperlage, Augenbewegungen, Herztätigkeit, Sauerstoffgehalt im Blut, Muskelspannung am Kinn und an den Beinen und Schnarchgeräusche. Simultan nehmen wir die gesamte Nacht mit Video und Ton auf. Im Überwachungsraum werden die ganze Zeit die eingehenden Parameter überprüft. Sollten sich Elektroden vom Körper lösen, wird das Nachtwachen Personal diese wieder befestigen.

Aus den gesammelten Messwerten kann am Morgen danach ein sehr genaues Schlafprofil der einzelnen Schlafstadien (zum Beispiel Wachzustand, REM-Schlaf, Tiefschlaf, kurze Aufweckreaktionen) erstellt werden. Dieses Schlafprofil lässt Rückschlüsse auf die Schlafqualität und die Ursachen zu, welche die Schlafqualität gegebenenfalls beeinträchtigen.

Am Morgen nach der ersten Messung oder einige Tage später bespricht der Facharzt für Schlafmedizin im Schlaflabor die wichtigsten Ergebnisse der ersten Messnacht und das weitere Vorgehen mit Ihnen, d.h. ob weitere Messnächte erforderlich sind, oder ob in einer weiteren Nacht bereits eine Therapiemethode, die sogenannte CPAP-Therapie bei Ihnen erprobt werden soll.

Schlaflabor Elektroden

Im Schlaflabor werden über Elektroden am Kopf zusätzlich die Schlafstadien festgehalten.

„Kann ich mit den vielen Kabeln überhaupt so gut schlafen, dass aussagekräftige Messwerte entstehen?“

Die Elektroden werden so befestigt, dass man sich im Bett normal bewegen und drehen kann ohne dass sie abreißen. Man gewöhnt sich sehr schnell daran wie z.B. an eine Armbanduhr und nimmt sie fast nicht mehr wahr.

Ca. 30% der Patienten schlafen in der ersten Schlaflabornacht tatsächlich (noch) schlechter als zu Hause. Hierzu mag die fremde Umgebung ebenso wie das Gefühl beitragen, im Schlaf beobachtet zu werden.

Ein Viertel der Patienten schläft dagegen in der ersten Nacht viel besser als sonst. Dieser Effekt der ersten Nacht wurde häufig beobachtet, systematisch untersucht und psychologisch erklärt.

Wenn Sie auch nur eine gewisse Zeit tief schlafen, reicht dies meistens aus, um die wesentlichen krankhaften Veränderungen zu erkennen.

Schlaflabor Messungen

Im zentralen Überwachungsraum kontrollieren Schwester und Arzt die ganze Nacht alle laufenden Messung und Patienten.

Wie oft muss ich ins Schlaflabor und wie geht es dann weiter?

Standardmäßig müssen Sie zwei oder drei Nächte im Schlaflabor verbringen. Sind die Messergebnisse durch den sogenannten „first-night Effekt“ unklar, folgt eine zweite Messnacht. Hat sich die Diagnose eines obstruktiven Schlafapnoesyndroms in den diagnostischen Nächten erhärtet, folgt dann meist schon die erste Einstellungsnacht“ auf ein CPAP-Therapiegerät.

Diagnose Schlafapnoe

Häufige Ursache einer mangelnden Schlafqualität ist zum Beispiel das obstruktive Schlafapnoesyndrom. Das sind bis zu minutenlange nächtliche Atemaussetzer, die zu einer Sauerstoffunterversorgung und dadurch zu wiederholten und häufigen Aufweckreaktionen führen. Diese kurzen Aufweckreaktionen werden in der Regel von der oder dem Betroffenen nicht bemerkt. Gelegentlich äußern sie sich aber auch in nächtlichem Hochschrecken, Alpträumen oder Angstzuständen mit Herzrasen.

Diese mangelnde Schlafqualität führt mit der Zeit zu starker bis extremer Tagesschläfrigkeit und einer ganz erheblichen Einschränkung der Lebensqualität Der dadurch ausgelöste Sekundenschlaf während der Autofahrt führt immer wieder zu schweren Verkehrsunfällen. Ein nicht oder unzureichend behandeltes Schlafapnoesyndrom birgt die Gefahr der Entwicklung von Folgekrankheiten wie hoher Blutdruck, Zuckerkrankheit, Herzinfarkt oder Schlaganfall. Neben der Schlafapnoe gibt es aber auch einige andere Ursachen einer mangelnden Schlafqualität zum Beispiel das Restless-Legs-Syndrom.

CPAP-Therapie

Die Therapieform der Wahl bei Schlafapnoe ist die Anwendung eines CPAP-Gerätes. Daher ist eine der häufigsten Therapien, die in einem Schlaflabor durchgeführt werden, die patientenspezifische Anpassung und Einstellung eines solchen Gerätes. Ein CPAP-Gerät ist allerdings nicht in dem Sinn als Therapieform zu verstehen, dass eine einmalige oder kurzfristige Anwendung zu einer Form von Heilung führt. Vielmehr ist es ein adaptives Hilfsmittel, so dass, genau wie bei einer Brille, bei Nichtanwendung der alte, unzulängliche Zustand wiederhergestellt wird. Um Nutzen zu zeigen, muss ein CPAP-Gerät also dauerhaft, das heißt möglichst in jeder Nacht, von dem Betroffenen verwendet werden.

Der gesamte Aufenthalt eines Patienten im Schlaflabor kann beispielsweise drei Tage bzw. Nächte dauern, wobei die erste Nacht als Eingewöhnungsnacht, die zweite als die eigentliche Diagnosenacht und die dritte zur Einstellung und Überprüfung der CPAP-Therapie dient. Diese drei Nächte liegen für die Patienten unserer Praxis in der Regel nicht unmittelbar hintereinander.

Werden Sie im Schlaflabor auf eine solche CPAP-Therapie eingestellt, wird die erste Kontrolle danach mittels einer Polygraphie nach 10-14 Wochen dann wieder von unserer Pneumologischen Praxis durchgeführt. Läuft die Therapie gut und sind Sie mit dem Therapieerfolg zufrieden, werden Kontrollen ambulant in der Lungenarztpraxis einmal jedes Jahr empfohlen, v.a. bei Gewichtsveränderungen oder Anwendungsproblemen.